Verkäuferhandbuch

Ratschläge und Inspirationen für den Erfolg deines Etsy-Shops

Wie du den Herstellungsprozess deiner Produkte gekonnt darstellst

Falls du mit externen Herstellern zusammenarbeitest, werden auch diese Teil deiner Markengeschichte. Gewinne das Vertrauen deiner Kunden und lass sie einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Von Taylor Combs 18. Nov 2015
Foto von Nirwa. Asli Candan Ozsaltik vom Etsy-Shop Nirwa hat sich mit einem Hersteller zusammengetan, der ihre geometrischen Designs für sie auf Stoff druckt. Diese Stoffe verwandelt sie dann in Kissenhüllen.

Bären, die Kapuzenpullis tragen und Brad heißen; Käsepicker, in Form von Kühen und Ziegen: Diese Produkte und mehr sind dem kreativen Geiste Jen Peppers entsprungen. Sie führt den Shop Peppersprouts, und wohnt in Massachusetts. Jen eröffnete ihren Etsy-Shop 2008 und startete ursprünglich mit Scherenschnitten und Eulenplüschtieren. Es machte ihr Spaß, aber heute sagt sie, dass es sie nicht wirklich forderte: „Ich zeichne gern“, erzählt sie. „Ich bin professionelle Grafikdesignerin.“

Als die Möglichkeit im Raum stand, eines ihrer Entwürfe professionell mit einem Lasercutter herstellen zu lassen, hatte Jen die Bestimmung für ihren Etsy-Shop gefunden. Die Zusammenarbeit mit einem externen Hersteller erlaubte ihr ihre Linie mit Waldmotiven zu erweitern. Fortan bot sie auch Wohndekoration und Accessoires an, wie Schmuck, Untersetzer und Anhänger.

Für ein Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten zu wachsen. Die Zusammenarbeit mit Herstellern ist nur eine davon. Egal, ob du deine Geschäftspartner durch eigene Recherche oder über Etsy Manufacturing findest, diese Geschäftsbeziehung wird Teil der Geschichte deiner Marke (und Etsy verlangt, dass du darüber in deinem Shop-Profil und in deinen Artikeln berichtest). Deine einzigartige Unternehmensgeschichte wird bestehende und potenzielle Kunden anziehen und an dich binden. Wenn es zum Beispiel darum geht, welche Methoden du bei der Herstellung deiner Produkte anwendest, welche sozialen und ökologischen Spuren deine Herstellungsprozesse (und auch die deiner Produktionspartner) hinterlassen - all das ist Teil deiner Geschichte.

Dein Shop-Profil ist dafür ein guter Ausgangspunkt. „Dort solltest du erzählen, wie du dein Unternehmen gegründet hast, wie deine Produkte entstehen und wer deine Herstellungspartner sind“, rät Any Guelmann, die als Maker Specialist bei Etsy arbeitet. In deinem Shop-Profil kannst du beschreiben mit was für Herstellern du zusammenarbeitest und wo diese ihren Firmensitz haben. Du bist aber nicht dazu verpflichtet die Namen der Firmen zu nennen. Transparenz wird Vertrauen in deinen Kunden aufbauen. Im Folgenden stellen wir dir fünf Vorgehensweisen vor, die dir helfen können mit deiner Unternehmensgeschichte offener umzugehen und neue Kunden zu gewinnen.

Zeige, dass du dich informiert hast

Ein erster Schritt, um mit seinen Kunden offener und transparenter umzugehen, ist sich zu informieren und selbst weiterzubilden. Du solltest stets im Bilde darüber sein, wie deine Entwürfe produziert werden, damit du für Gespräche mit deinen Kunden gewappnet bist, falls Fragen zu Materialien und Herstellungsprozessen aufkommen. Wenn du mit einem externen Partner zusammen arbeitest, ist es ratsam die Firma vor Ort zu besuchen und sich persönlich umzuschauen.

Als Jon Paley, Gründer des australischen Shops This Boy Faces North, anfing Ausdrucke seiner Fotografien online zu verkaufen, wollte er sich mit einem Hersteller zusammentun, der seinen Kunden etwas ganz Besonderes anbot. Diese Firma mit Sitz in Melbourne druckt Bilder auf „Leinwände“ aus Stein, gerahmt mit recyceltem Altholz - das war das gewisse Etwas, wonach Jon gesucht hatte. Nachdem er das Unternehmen ein paar Mal persönlich besucht hatte, hatte Jon ein gutes Gefühl und wollte gerne mit ihnen zusammenarbeiten. „Es war erstaunlich, dass alles, was ich auf der Webseite gesehen hatte, tatsächlich auch so passierte“, erzählt Jon. „Wenn du dich mit einem anderen Unternehmen zusammentust, willst du absolut sicher gehen, dass alles stimmt. Schließlich steht auch der Ruf deiner Firma mit auf dem Spiel.“

Auch wenn du dir nicht persönlich vor Ort ein Bild machen kannst, wirst du trotzdem viel durch Recherche über deine potenziellen Partner herausbekommen können. Kläre alle offenen Fragen, die du über das Unternehmen hast. Versuch auch, diese Aussagen zu überprüfen, in dem du zum Beispiel mit Leuten sprichst, die schon mit der Firma zusammengearbeitet haben. Zuerst solltest du überprüfen, ob dein Hersteller Etsys ethischen Erwartungen (auf Englisch) entspricht. All die Informationen, die du durch Recherche, persönliche Besuche und Kontakte zusammengetragen hast, werden dir bei dieser Einschätzung helfen. Sollte der Hersteller, den du in Betracht ziehst, sogar von dritter Stelle empfohlen werden oder zertifiziert sein, dann schau dir die Bedingungen dieser Verifizierungsverfahren genauer an und kontrolliere auch, wann die Zertifizierung erteilt wurde. Beispiele dafür sind B Corp, Forest Stewardship Council (FSC), SA8000 und Worldwide Responsible Accredited Production (WRAP), um nur einige zu nennen.

Du solltest auf jeden Fall folgendes beantworten können: Warum hast du dich für diesen Hersteller entschieden? Wie sehen seine Einrichtungen aus? Wie lange arbeitet ihr schon zusammen? Welche Leute werden an deinen Produkten arbeiten? Diese Fragen werden auch deine Kunden stellen, also sollte dein Shop-Profil sie beantworten können.

This Boy Faces North
Das Erfolgsrezept für Jons Zusammenarbeit mit seinem Hersteller war das Vertrauen zueinander, auf das sie von Anfang an bauen konnten. Mithilfe dieses Produktionspartners kann Jon heute seine Fotografien auf Steinleinwände drucken lassen.

Sprich über deine Entscheidungen

Wenn Etsy-Shop-Inhaber ihre Handelsbeziehungen und -partner bei Etsy hinterlegen möchten, sie sich an die drei Grundsätze für Handgefertigtes auf Etsy halten: Urheberschaft, Verantwortung und Transparenz. Etsy möchte sehen, dass du weißt wie deine Produkte hergestellt werden. Und deine Kunden interessiert das auch. Versäume nicht die Gelegenheit, über deine Unternehmensphilosophie und ethischen Ansprüche zu reden.

„Bei Etsy geht es vor allem darum, Menschen miteinander zu verbinden“, erzählt Any Guelmann. „Du wünschst dir einen persönlichen, menschlichen Kontakt zu deinen Käufern - und genau so eine Beziehung möchtest du auch mit den Menschen haben, die dir bei der Herstellung deiner Produkte helfen. Es gibt keinen Grund, warum nicht auch deine Kunden davon erfahren sollten.“

Für Jon von „This Boy Faces North“ ist die Zusammenarbeit mit Partnern, die mit recyceltem Altholz und aufbereiteten Materialien arbeiten, eine echte Alternative zu den sonst sehr teuren, neuen Holzrahmen. Außerdem spielte es beim Aufbau seines Unternehmens insofern eine wichtige Rolle, da diese Partnerschaft auch seine persönlichen Werte und Ansichten widerspiegelt. „Auf dem Gelände gibt es einen älteren Mann, der die gebrauchten Holzpaletten auseinandernimmt“, erzählt Jon. „Sie durchforsten dafür wiederaufbereitete Höfe, Industrieanlagen und alte Märkte in Melbourne, um passendes Material zu finden.“ Er hebt diese nachhaltigen Methoden in seinem Shop hervor, was ihm schon oft zu neuen Kunden verholfen hat, die auf der Suche nach alternativen Drucktechniken waren. Solltest du deinen Hersteller aufgrund seiner ökologischen Produktionsweisen auswählen, zum Beispiel weil er Techniken benutzt, die weniger Strom benötigen, solltest du diese Aspekte auf jeden Fall mit in die Geschichte einbinden, die du deinen Kunden über dein Unternehmen erzählst. Ein anderer interessanter Punkt kann sein, dass du mit deiner Zusammenarbeit auch kleine lokale Firmen unterstützt. „All die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, gehören kleinen Unternehmen an, die hier in den USA sitzen“, verrät Jen von „Peppersprouts“. „Es ist mir wichtig, dass das Geld, das ich bei ihnen für die Produktion ausgebe, auch bei ihren Mitarbeitern ankommt und sie beim Wachstum ihrer Firma unterstützt.“

Erwähne, was deine Produktion besonders macht

Egal, ob du all deine Produkte selbst fertigst, mit einem Hersteller zusammenarbeitest, der aus deinen Entwürfen physische Dinge zaubert oder ob du beides machst - du solltest deine Techniken und Herstellungsprozesse, die bei deinen Produkten zum Einsatz kommen, stets offenlegen - auch um deinen Shop für deine Kunden noch attraktiver zu machen. Mit Fotos, die bestimmte Prozesse zeigen, schenkst du Käufern einen Einblick in Techniken, mit denen sie nicht vertraut sind. Etsy-Käufer lieben es zu erfahren, wie genau Dinge gemacht werden. Jen nutzt dafür ihr Shop-Profil und zeigt dort jeden Schritt ihrer Produktion - die komplette Entwicklung eines Produktes von der ersten handgezeichneten Skizze, über Illustrator-Dateien, die zum Lasercutter geschickt werden bis hin zu den fertig gelaserten Teilen, die sie zurück bekommt und die nun darauf warten, zum Endprodukt zusammengesetzt und für Kunden verpackt zu werden.

Nachdem Jen die Käsepicker aus Acryl von ihrem Lasercutter zurück bekommt, muss sie noch die Schutzfolie entfernen und sie für ihre Kunden verpacken.

Wenn du von deinem Herstellungsprozess erzählst, solltest du auf jeden Fall erwähnen, warum du dich für bestimmte Techniken entschieden hast. Asli, aus Istanbul (Türkei), verkauft in ihrem Shop „Nirwa“ farbenfrohe Kissenhüllen mit geometrischen Mustern. In ihren Artikeln beschreibt sie ganz genau, wie die leuchtenden Farben dank des Sublimationsdruckverfahrens einer lokalen Druckerei möglich werden. „Gut geschriebene Produktbeschreibungen, die alle enthaltenden Materialien und besonderen Eigenschaften deines Produktes erwähnen, können bei deinen Kunden Bedenken beruhigen und Fragen beantworten“, rät Asli.

Ermögliche deinen Kunden kluge Entscheidungen

In die Kaufentscheidung eines Käufers fließen viele Faktoren mit ein. Je detaillierter du deine Prozesse beschreibst, desto bewusster werden Kunden bei dir einkaufen. „Jeder sollte die Möglichkeit haben, die Geschichte hinter den Produkten, die er benutzt, zu kennen“, findet Asli. „Das unterscheidet die Qualität unserer Produkte von anderen.“

Dein Shop-Profil ist die beste Adresse für Informationen wie die Herkunft deiner Materialien, mit wem du für die Produktion zusammenarbeitest und welche Techniken in deine Kreationen einfließen. Dadurch sind Käufer in der Lage sich einen Gesamteindruck von deinem Unternehmen, deiner Marke und deinen Produkten zu machen.

Und je mehr Käufer erfahren, desto wohler fühlen sie sich in deinem Shop und je wohler sie sich fühlen, desto wahrscheinlicher werden sie auch was kaufen - und werden leichter zu Stammkunden, die gerne wiederkommen.

Mehr Informationen: Lies Tipps für ein umwerfendes Shop-Profil und erfahre mehr darüber, wie du deine Geschichte besser erzählen kannst. Schau dir auch Etsys Richtlinien für Handgefertigtes und die Verkäuferrichtlinien an, wenn du dich für die Zusammenarbeit mit Produzenten interessierst. Wenn du dir Hilfe von externen Herstellern holen willst, dann erfährst du in diesem Hilfe-Artikel mehr zum Bewerbungsprozess. Solltest du bereits mit Produzenten zusammen arbeiten, dann füge bitte hier die erforderlichen Informationen zu dieser Kooperation ein.

Wie erzählst du die Geschichte hinter deinen Produkten? Schreib uns darüber in den Kommentaren.

Autor

Taylor Combs

Taylor Combs ist Autorin und Redakteurin bei Etsys Verkäuferhandbuch.

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