Negativfotografie, ein Blick in die Seele
Negative photography, a look into the soul
Ich bin Fotografin und arbeite hauptsächlich mit Negativbildern. Mich fasziniert, wie die Umkehrung nicht nur das Aussehen, sondern auch die Wirkung einer Szene verändert. In der Negativfotografie werden Licht und Schatten umgekehrt, vertraute Orte wirken fremd, und verborgene Details treten zutage, die bei normaler Betrachtung oft übersehen werden.
Ich erlebe die Welt auf eine Weise, die sich manchmal ähnlich verkehrt anfühlt. Ich bin Autist, und das prägt meine Wahrnehmung von Mustern, Kontrasten, Emotionen und meiner Umgebung. Oft bemerke ich Dinge, die anderen entgehen, oder fühle mich besonders verbunden mit Orten, die Stille, Abgeschiedenheit oder Intensität ausstrahlen. Die Negativfotografie ist die visuelle Sprache, die dieser Wahrnehmung am nächsten kommt.
Ich fühle mich besonders zu verlassenen oder stillen Umgebungen hingezogen, zu Orten, die leer, verwittert oder emotional bedrückend wirken. Diese Räume spiegeln oft innere Zustände der Einsamkeit oder Selbstreflexion wider, die sich schwer in Worte fassen, aber leichter durch Bilder ausdrücken lassen. Anstatt dieses Gefühl zu vermeiden, erforsche ich es durch Komposition, Kontrast und Umkehrung.
Ich fotografiere auch Graffiti und Straßenmarkierungen, unter anderem um sie als temporäre Kunstform im öffentlichen Raum zu bewahren. Diese Markierungen befinden sich in einem ständigen Wandel, werden überdeckt, gelöscht oder von der Zeit gezeichnet. Das Fotografieren ermöglicht es mir, Ausdrucksformen festzuhalten, die sonst verschwinden würden. Mich interessiert das Spannungsverhältnis zwischen Beständigkeit und Vergänglichkeit, Sichtbarkeit und Verschwinden.
Mit meiner Arbeit möchte ich vertraute Umgebungen so darstellen, dass sie leicht verfremdet wirken, zwar noch erkennbar, aber doch verändert. Negative Bilder ermöglichen es mir, den Raum zwischen dem Gesehenen und dem Gefühlten, zwischen Dokumentation und Interpretation zu erkunden.
I am a photographer working primarily with negative imagery, drawn to the way inversion changes not just how a scene looks, but how it feels. In negative photography, light and shadow are reversed, familiar places become unfamiliar, and hidden details emerge that are often overlooked in standard viewing.
I experience the world in a way that feels similarly inverted at times. I’m autistic, and that shapes how I perceive patterns, contrast, emotion, and environment. I often notice what others miss, or feel deeply attuned to spaces that carry a sense of stillness, isolation, or intensity. Negative photography is the closest visual language I’ve found to describe that experience of perception.
I am especially drawn to desolate or quiet environments, places that feel empty, weathered, or emotionally heavy. These spaces often reflect internal states of loneliness or introspection that are difficult to put into words but easier to translate through imagery. Rather than avoiding that feeling, I explore it through composition, contrast, and inversion.
I also photograph graffiti and street markings, in part to preserve them as a form of temporary public art. These markings exist in a constant state of change, covered, erased, or weathered by time, and photographing them becomes a way of documenting expressions that might otherwise disappear. I’m interested in that tension between permanence and impermanence, visibility and erasure.
Through my work, I aim to present familiar environments in a way that feels slightly displaced, still recognizable, but altered. Negative imagery allows me to explore that space between what is seen and what is felt, between documentation and interpretation.