Cyanotypie
Als Grafiker und Fotograf war ich lange auf der Suche nach einer Bildsprache, die sich nicht vollständig kontrollieren lässt. In der digitalen Welt ist jedes Detail planbar, jedes Ergebnis reproduzierbar – doch genau das hat mir irgendwann gefehlt. Der Moment, in dem ein Bild auch Zufall zulässt, wurde für mich wichtiger als perfekte technische Kontrolle.
Zur Cyanotypie bin ich eher zufällig gekommen, über alte fotochemische Verfahren und experimentelle Drucktechniken. Was als Neugier begann, wurde schnell zu einer Art Gegenbewegung zu meiner digitalen Arbeit: langsamer, unmittelbarer, ehrlicher.
Die Cyanotypie ist eines der ältesten fotografischen Edeldruckverfahren. Dabei wird Papier oder ein anderes Trägermaterial mit einer lichtempfindlichen Lösung aus Eisenverbindungen beschichtet. Nach dem Trocknen wird das Motiv – meist ein Negativ oder ein Objekt wie Pflanzen – auf das Papier gelegt und mit UV-Licht (meist Sonnenlicht) belichtet. Die belichteten Stellen reagieren chemisch und verändern ihre Struktur. Anschließend wird das Bild nur noch mit Wasser ausgewaschen – und dabei entsteht das charakteristische tiefblaue Bild, das sogenannte „Preußisch Blau“.
Was mich daran fasziniert, ist die Mischung aus Kontrolle und Zufall: Die Sonne, das Wetter, die Beschaffenheit der Materialien – all das beeinflusst das Ergebnis. Jede Cyanotypie ist dadurch ein Unikat, ein Abdruck eines Moments, der nie exakt wiederholbar ist.